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Begegnungen im Amtrak-Zug

Von Entlebuch nach Panama: Zweiter Reisebericht von Yvonne Vogel und Phil Hofstetter

Reisen im Zug ist im Autoland USA eher aussergewöhnlich – vielleicht ist das der Grund für die besonderen Begegnungen auf der 26-stündigen Fahrt von New Orleans, Louisiana, nach El Paso, Texas.

Text und Bild Yvonne Vogel

Im Speisewagen des Amtrak-Zuges wird man mit anderen Fahrgästen zusammengesetzt, woraus sich interessante Begegnungen ergeben. Mit ihrer offenen und neugierigen Art verwickeln einen die Amerikaner schnell in ein unverbindliches Gespräch.

Irak-Kriegsveteran Bob

Bob, ein Kriegsveteran mit Pferdeschwanz und Mütze, hat fast dreissig Jahre in der Armee gedient. Im Irakkrieg wurde sein Kampfhelikopter abgeschossen, was er zwar mit einem gelähmten Bein bezahlen musste, aber im Gegensatz zu seinem Copiloten überlebte. Der Weg von seinem Sitzplatz zum Speisewagen hat ihn aufgrund seiner Behinderung eine halbe Stunde gekostet. Er erzählte uns, dass er in Hollywood in einem von Charlie Chaplin erbauten Haus lebe. Nun sei er aber gerade 2 ½ Jahre in Houston, Texas, gewesen, um das Erbe seines Vaters aufzuteilen. Aus Bobs anfänglich zwei Töchtern werden im Verlaufe des Gespräches 26 Kinder von sechs Ehefrauen.

Unterdessen ändert sich die Kulisse draussen: Sumpfgebiete wurden abgelöst von karger Steppenlandschaft, ab und zu unterbrochen durch eine einsame Farm mit ein paar Pferden.

Als wir von unseren Plänen der Grenzüberquerung nach Mexiko erzählen, ernten wir ungläubige Blicke. Bob prophezeit uns, dass bereits auf der amerikanischen Seite in El Paso Schüsse zu hören seien und wir ganz bestimmt spätestens auf der mexikanischen Seite in Ciudad Juàrez erschossen würden. Zu unserer Verteidigung sollten wir daher zumindest Waffen auf uns tragen.

Dass Waffen generell ein grosses Thema in Texas sind, bestätigt der norwegische Konsul, der ebenfalls an unserem Tisch sitzt. Bei Stellenantritt in Houston erhielt er von seinem Sicherheitsbeauftragten als Erstes den Rat, sich eine Pistole anzuschaffen.

Jim, der Maschineningenieur

Auch Jim ist in Waffenbesitz, allerdings zu Jagdzwecken. In seinem Heimatstaat Louisiana gehöre ihm ein Haus mitten im Sumpfgebiet. Dort schätze er die Ruhe und die Möglichkeit, Hirschen, Bären und ab und zu auch Eichhörnchen zu jagen. Letztere würden viel besser als Hasen schmecken. Bärtig und in Latzhose sitzt er uns gegenüber und berichtet weiter, dass er als Maschineningenieur u.a. lange für die Firma Sulzer gearbeitet habe. Nun seien es nur noch wenige Jahre bis zur Pension. Dies habe ihn dazu veranlasst, mit dem «Zurück-Zügeln» seiner Möbel aus Kalifornien zu beginnen. Auf unsere Frage, wie er die Situation an der Grenze zu Mexiko einschätze, zögert er lange, rät uns dann aber ebenfalls von einer Grenzüberquerung ab.

Von Entlebuch nach Panama

Yvonne Vogel und Phil Hofstetter sind während fünf Monaten auf Reisen. Dabei will das Ehepaar aus Entlebuch den Weg von ihrer Heimatgemeinde bis nach Panama ohne Flugzeug zurücklegen. In regelmässigen Abständen berichten sie im Entlebucher Anzeiger über ihre Reise. Ihre E-Mail-Adresse lautet: philwhofstetter@gmail.com. Weitere Bilder sind auf der Reisehomepage www.yvonnevogel.philhofstetter. ch zu finden. [EA] Rich, unser B&B-Gastgeber in El Paso, vermittelt uns ein ganz anderes Bild von Ciudad Juàrez. Als Einheimischer überquere er die Grenze zu Mexiko regelmässig problemlos. Bei einer kleinen Stadtführung mit ihm auf der mexikanischen Seite können wir uns selber davon überzeugen, dass die einzige Gefahr vom Tequila in den gemütlichen Bars ausgeht. Somit steht unserer Weiterreise nach Mexiko nichts mehr im Wege...

New Orleans – an fast jeder Ecke wird musiziert.

Phil Hofstetter vor dem Amtrak-Zug beim Zwischenhalt in Houston.

Vor dem Zugfenster rauscht die texanische Steppe vorbei.

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